Alexander R. Titz

Kunst im Spannungsfeld von Technologie und Realität

Zeichnung

"Erkundungen im Realen"

nannte einmal Florian Rötzer solche Kunstwerke, die gegen den allgemeinen Trend zur Fiktionalisierung, d. h. zur Verwandlung der Wirklichkeit in Bilder, arbeiten und auf die Komplexität der Wahrnehmung setzen. Er meinte damit nicht, dass wir mithilfe der Kunst einer außerhalb des Bewusstseins liegenden Wirklichkeit habhaft werden können, sondern dass Kunstwerke als Sonderformen des Realen dazu dienen können, die Wahrnehmung des Rezipienten umfassender zu aktivieren, als dies bei Werken geschieht, die sich nur an die Augen wenden. Rötzer demonstrierte dies insbesondere an der Klangkunst, der wir wichtige Impulse für eine neue phänomenlogische Orientierung in der Bildenden Kunst verdanken, eine Orientierung, bei der die Arbeit des Künstlers der des Wissenschaftlers gleicht, der Wahrnehmungsapparate zur Untersuchung komplexer Phänomene baut. Dies setzt eine künstlerische Haltung voraus , die das Kunstwerk weniger als Ausdruck eines Subjekts begreift, sondern eher als präzise konstruierten Erfahrungsraum für den Rezipienten.

In diesem Sinn ist auch die Arbeit von Alexander R. Titz zu sehen, der sich bereits während seines Studiums an der Saarbrücker Hochschule für Bildende Künste ein stringentes und unverwechselbares Repertoire an Materialien und Methoden erarbeitet hat. Titz betrachtet seine Licht- und Klanginstallationen als ästhetische Experimente, in denen der Betrachter bzw. Hörer verschiedene Wahrnehmungsmöglichkeiten ausprobieren kann. Ausgehend von bekannten physikalischen Phänomenen in der Welt der Objekte - z. B. der Schwingung von Membranen - sucht er nach immer neuen Möglichkeiten phänomenaler Erscheinungen in Licht und Ton bzw. nach Möglichkeiten, sie ineinander zu übersetzen oder auf komplexe Weise zu verschränken. Dabei reagiert er sensibel auf die architekonischen und atmosphärischen Gegebenheiten des Ortes. Seine technisch rational anmutenden Installationen, die ihn als technisch versierten Handwerker ausweisen, setzen auf eine minimalistische Ästhetik, die ihre Basis in den Eigenschaften der verwendeten Materialien hat. Setzt sich der Betrachter/Hörer jedoch aktiv den vorgegebenen Möglichkeiten aus, wird er sehr schnell in nicht lineare Prozesse verwickelt, die potentiell unabschließbar sind.

Die Debütausstellung von Alexander R. Titz im Rahmen der Reihe Statement weist ihn nicht nur als herausragenden Absolventen der HBK Saar aus; sie ist auch ein Glücksfall für die Stadtgalerie, die es sich von Anfang an zur Aufgabe gemacht hat, künstlerische Projekte zu fördern, die der oben angesprochenen Erkundung des Realen dienen und damit deutlich machen, dass Ästhetik ursprünglich Wahrnehmung bedeutet.


Prof. Bernd Schulz
(ehem. Leiter der Stadtgalerie Saarbrücken im Vorwort zum Ausstellungskatalog "Schwingspiel" )

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